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Dr. Porno – der Mann, der Pornos an die Uni bringt

Zwischen Hörsaal und Hardcore: Warum Emre Busse fordert, Pornografie als Studienfach zu etablieren:

Pornografie ist mehr als nur Wichsvorlage. Sie ist politisch, kulturell aufgeladen – und absolut würdig, wissenschaftlich untersucht zu werden.

Stell dir vor, du betrittst einen Seminarraum und die PowerPoint-Folie zeigt einen Hardcore-Clip. Nicht als Gag, nicht zur Provokation, sondern als Ausgangspunkt für eine tiefgründige Analyse über Genderrollen, Machtverhältnisse und Repräsentation. Willkommen in der Vorlesung von Emre Busse – dem Mann, den viele inzwischen nur noch „Dr. Porno“ nennen.

Was für manche nach Skandal klingt, ist für Busse ein ernst gemeinter akademischer Ansatz. Pornografie – dieses riesige, milliardenschwere, kulturell wirkmächtige Phänomen – soll raus aus der Schmuddelecke und rein in die Universitäten. Denn wie Busse sagt: „Was Milliarden Menschen konsumieren, kann nicht bedeutungslos sein.“

Von schwuler Sehnsucht zur akademischen Rebellion

Geboren in Istanbul, queer, suchend – Emre Busse fand in Pornografie nicht Scham, sondern Empowerment. Besonders schwule, deutsch-türkische Pornos gaben ihm ein Gefühl der Zugehörigkeit. Für ihn war das kein schmutziges Geheimnis, sondern eine Identitätsquelle. Diese persönliche Erfahrung führte ihn schließlich zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit Pornografie – als Kulturgut, als politisches Werkzeug, als Ausdruck von Lust und Macht.

Heute lebt er in Berlin, lehrt in Bremen und mischt den Hochschulbetrieb mit provokanten Kursen wie „Post-Pornografie“ auf. Seine Vorlesungen sind voll, sein Stil direkt, queerfeministisch und offen sexpositiv. Seine Message: Pornos zu analysieren heißt, die Gesellschaft zu verstehen.

Lust und Wissenschaft – kein Widerspruch

Pornos in der UniBusse argumentiert, dass Pornografie wie Film, Literatur oder Musik analysiert werden sollte – mit Blick auf Ästhetik, Narration, Symbolik und gesellschaftliche Wirkungen. In seinen Veranstaltungen geht es nicht um voyeuristisches Glotzen, sondern um das Aufbrechen von Stereotypen, um feministische Kritik, um queere Utopien.
Die von ihm organisierte Ringvorlesung „Critical Porn Studies“ an der Universität Bremen war ein voller Erfolg – und ein Affront gegen den akademischen Mainstream. Neben theoretischen Inputs gab es Performances, künstlerische Beiträge, Diskussionen über Produktionsbedingungen und ethischen Konsum. Ein Raum, in dem Porno nicht stigmatisiert, sondern dekonstruiert wurde.

Zwischen Hate, Hype und Hoffnung

Natürlich ruft „Dr. Porno“ auch Kritik hervor – von Boulevardmedien, konservativen Stimmen und Teilen der Hochschulbürokratie. Doch Busse begegnet dem mit Humor und Klarheit. Sein Ziel ist nicht Provokation um der Provokation willen. Es ist Sichtbarkeit, Aufklärung, Dialog. Und das braucht Mut – besonders in einer Gesellschaft, die zwar ständig von Sex redet, aber kaum darüber reflektiert.
Er ist Teil einer neuen Generation von Akademikern, die keine Angst mehr haben, ihre Subjektivität, ihre Lust und ihre Geschichte in den Diskurs einzubringen. Und damit macht er genau das, was gute Wissenschaft tun sollte: Den Status quo in Frage stellen.

Fazit

Emre Busse bringt Pornos auf die Agenda – und zwar dahin, wo sie oft am meisten fehlen: in die kritische, akademische Reflexion. Sein Spitzname „Dr. Porno“ mag zum Schmunzeln einladen, doch dahinter steckt ein ernstzunehmendes Projekt. Es geht um mehr als nackte Haut. Es geht um Sichtbarkeit, Diversität, Machtkritik – und darum, Lust nicht länger auszuklammern, wenn wir über Gesellschaft sprechen.

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